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Habari gani? Was gibt's neues?

Autor: MarielotteDuffe | Datum: 04 Juli 2016, 15:55 | 1 Kommentare

Mein Name auf dem Stundenplan

Ich war eigentlich schon dabei die Hoffnung gänzlich aufzugeben. Neun Monate habe ich hier verbracht, ohne wirklich etwas zu tun zu haben. Ich habe zwar gelegentlich unterrichtet, und hatte über kurze Zeiträume auch feste Fächer, aber es gab trotzdem viel Langeweile, die mit der Zeit sehr auf meine Motivation gedrückt hat. Ich musste mir täglich neue Aufgaben suchen und ständig darum bitten etwas unterrichten zu dürfen. Mehrmals hatte ich angesprochen, dass es schöner wäre, wenn ich feste Aufgaben hätte – aber darauf wurde nie richtig eingegangen.

Doch jetzt! Endlich! Nach neun Monaten des Wartens tauchte auf einen Schlag und ohne Vorwarnung mein Name auf dem Stundenplan auf. Ich war erst nicht ganz sicher ob ich gemeint bin oder ob es vielleicht einen neuen Lehrer namens 'Rotto' gibt, aber es stellte sich dann doch als eine neue Variante von 'Lotte' heraus.

Seither habe ich ganze drei Fächer, die nur mir gehören! Diese sind:

Dadurch, dass mir die Fächer erst so spät zugeteilt wurden, bin ich allerdings hauptsächlich mit der Klausurvorbereitung, also dem Wiederholen aller Themen beschäftigt. Das ist nicht immer leicht, weil ich ja nicht diejenige war, die alle Themen unterrichtet hat, aber es hat auch seine Vorteile. Dadurch, dass die Schüler bereits mit den Themen vertraut sind, kann ich den Unterricht sehr kreativ gestalten und mir 'Lernspiele' ausdenken und anleiten:

Ich habe viel Spaß daran gefunden mir Kreuzworträtsel zu verschiedenen Themen auszudenken und die Kinder freuen sich jedes mal einen Ast ab, wenn sie auf das Lösungswort kommen. Zum Thema HIV spielen die Schüler gerne 'Symptome-raten' in Form von Galgenmännchen (wobei wir den Galgen weg lassen, ich finde den zu Brutal). Das schöne Grundschulspiel 'Eckenrechnen' haben wir abgewandelt und lernen damit die Arten wie Obst und Gemüse angepflanzt werden kann.

Ich habe allerdings immer noch nicht mehr als acht Stunden in der Woche. Natürlich nimmt die Unterrichtsvorbereitung (vor allem wenn ich mir Rätsel ausdenke) viel Zeit in Anspruch, aber es vergehen doch noch einige Stunden täglich in denen ich mir Arbeit suchen muss, was nicht immer gelingt.

Bald steht aber die Klausurphase an, in der sowieso nicht unterrichtet, sondern nur Korrigiert wird, und danach sind schon wieder Ferien, die erst enden wenn ich schon so gut wie weg bin. Es macht also wenig Sinn mir jetzt nochmal Fächer zu erkämpfen, so viele Lehrerwechsel sind ja auch nicht gerade förderlich für die Kinder.

Parentmeeting

Vor ein paar Wochen war das große 'Parentmeeting' in der Schule. Das heißt, alle Eltern werden für einen Tag in die Schule eingeladen, und es wird über die Pläne der Schule berichtet und diskutiert. Außerdem soll präsentiert werden, wie wunderbar die Kinder bei Tegemeo lernen.

Schon Wochen vorher wurden also 'departments' gebildet, um Präsentationen für die Eltern vorzubereiten. Ich war mit Mr. Nice zusammen für die ICT-Präsentation zuständig. Wir haben also aus jeder Stufe den/die Klassenbeste/n in ICT gesucht und dazu verdonnert einen schicken Vortrag zu basteln. Fast jeden Nachmittag saßen wir dann beieinander und haben über Themen diskutiert, Plakate gemalt, Text einstudiert und so weiter.

Am Tag des Parentmeetings wurde schon am frühen Morgen angefangen aufzubauen. Jeder Fachbereich hatte einen kleinen Stand/Tisch irgendwo auf dem Schulgelände. Der Essenssaal wurde mit bunten Tüchern dekoriert und es wurden Bänke, Stühle, eine Leinwand und ein Beamer aufgebaut für das Lehrer-Eltern Gespräch.

Als gegen elf Uhr die Eltern eintrafen, stellten sich alle Schüler zur Parade auf. Wie immer gab ein Schüler (an diesem Tag der Schülersprecher) die 'Befehle' und der Rest gehorchte. An normalen Schultagen ist es ganz natürlich, dass immer ein paar Schüler aus der Reihe tanzen, sich in die falsche Richtung drehen, mit dem falschen Fuß aufstampfen oder bei der Hymne die Hand nicht aufs Herz legen. Doch heute war es anders. Die ganze Parade verlief in einer derartigen Perfektion, dass es fast ein bisschen gruselig war. Die Schüler waren so synchron wie die B1-Kampfdroiden bei StarWars (und das sind Roboter). Es wirkte aber auch sehr feierlich, wie sie da standen und sowohl die Hymne, als auch den Patriotic-Song und das Schullied in perfekter Lautstärke und Dreistimmigkeit sangen.

Nach der Parade wurde dann noch ein Lied vom Schulchor gesungen und ein paar Schüler performten den traditionellen Po-wackel-Tanz von dem ich mal behauptet habe, dass er aussieht wie der Paarungstanz von Tropenvögeln und von dem andere sagen, dass ich ihn inzwischen beherrsche wie eine Eingeborene (ob ich darauf stolz bin überlege ich mir noch).

Anschließend ging es zu den Präsentationen. Die Eltern liefen von einem Stand zum nächsten und hörten sich die Vorträge mit mehr oder weniger Interesse an.

Der ICT-Stand war an vierter Stelle und meine Gruppe war entsetzlich aufgeregt. Wir sind dann nochmal alles durch gegangen und ich habe versucht beruhigende Worte zu finden, dann kam der Pulk von Eltern auch schon her geschlendert.

Ich war begeistert von der Leistung der Gruppe und verteilte anschließend Lob und High-fives als gäb's kein Morgen.

Mr. Nice war da leider anderer Meinung und ich konnte ich noch gerade so davon abhalten den kleinen Jedson zu verhauen, weil er ein paar Zeilen verpatzt hatte. Manchmal muss man die Lehrer daran erinnern, dass es nur Kinder und noch keine Profis sind. Außerdem hatten die Eltern sicher nichts von dem Fehler bemerkt.

Nach den Vorträgen verschwanden die Schüler in ihren Klassenräumen und die Eltern begaben sich mit den Mitarbeitern der Schule in den Essenssaal. Es wurde dann ausschließlich auf Kiswahili stundenlang über Erfolge, Pläne und die Finanzen der Schule gesprochen. Das meiste davon wurde aus einem Stapel Papiere gelesen, den jeder bekam, sodass ich durchs mitlesen einiges verstehen konnte. Besonders spannend war es allerdings trotzdem nicht und ich beschloss nach drei Stunden, dass ich lieber nicht vor dem gesamten Kollegium und den Eltern einschlafen wollte. Deswegen hab ich den Saal unauffällig verlassen und es mir zur Aufgabe gemacht die Kinder in ihren Räumen zu beschäftigen. Weitere zwei Stunden später gab es endlich Mittagessen. Die Kinder bekamen das gleiche wie immer, für die Eltern und Lehrer hab es Buffet. Weil man sich den Teller so voll machen kann wie man will, und ich nicht sonderlich großen Hunger hatte, schmuggelte ich etwas von dem guten Essen zu meiner ICT-Gruppe, als Belohnung.

Sportsday

Vor gerade mal ein paar Tagen fand hier in der Tegemeo-Schule der alljährliche Sportsday statt. Dieser besteht darin, dass mehrere Schulen hierher kommen und in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten. Streng genommen treten immer nur die besten Schüler der verschiedenen Schulen gegeneinander an. Das heißt, anders als bei einem Sportfest an einer deutschen Schule es hier nicht darum, dass jedes Kind einmal jeden Sport testen darf. Es geht hier vor allem weniger um Spaß, als darum, die besten Sportler ausfindig zu machen, die dann später an größeren Wettkämpfen landesweit teilnehmen sollen.

Trotzdem waren alle Schulen in voller Zahl anwesend zum anfeuern.

Es ging los mit Wettläufen über verschieden lange Strecken, wobei sich herausstellte, dass Tegemeo einen sehr talentierten Kurzstreckenläufer, aber kein einziges Langstreckentalent hat. Ich vermute, dass liegt an der fehlenden Übung, da in Tegemeo kein Sport unterrichtet wird, sondern nur manchmal Fußball oder Netball gespielt wird. Viele Lehrer schieben es aber gerne mal auf mangelnde Begabung der Schüler.

Weiter ging es mit Kugelstoßen und Speerwerfen. Das dauerte seine Zeit, weil es nur eine Kugel, und einen Speer gab. Das Ergebnis konnte ich nicht verfolgen, weil ich es kaum eine Minute in der Sonne aushalten konnte (es ist Trockenzeit und die Sonne ist wirklich schrecklich heiß).

Den anschließenden Weitsprung konnte ich vom Schatten aus beobachten. Meiner Meinung nach war Tegemeo mal wieder im Nachteil weil die Springer aus den anderen Schulen älter, und demnach größer waren. Aber eines unserer Mädchen machte immerhin den zweiten Platz.

Beim Fußballspiel wirkten die Mannschaften erst gleich gut und es fiel lange Zeit kein Tor, doch letzten Endes verlor Tegemeo 3:0.

Währenddessen lief es bei den Mädchen besser. Sie spielten Netball (So ähnlich wie Basketball aber ohne Pritschen) und das Team von Tegemeo gewann haushoch. Immerhin ein wirklicher Erfolg an diesem Tag.

 

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