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Eine low-budget Reise durch den Norden Tansanias

Autor: MarielotteDuffe | Datum: 26 Mai 2016, 12:58 | 3 Kommentare

Nachdem mich gefühlt 1000000 Leute darum gebeten hatten, kommt nun endlich ein ausführlicher Bericht über meine Reise zum Meer. Vorab möchte ich betonen, dass meine Beschreibungen von Eindrücken und Wahrnehmungen auf meinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen beruhen und daher jederzeit Subjektiv sind. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollen nicht als einzige Wahrheit oder Regel gelten.

 

Eine low-budget Reise durch den Norden Tansanias


Einen richtigen Plan hatten wir nicht, als wir los fuhren. Ich wusste wohl, dass ich unterwegs ein paar Freunde besuchen und am Ende am Meer ankommen wollte, alles dazwischen würde spontan passieren. Bis zum Zwischenseminar wusste ich nicht einmal, mit wem ich reisen würde und war erleichtert, dass Stefan seine Meinung nicht geändert hatte und sich ebenfalls auf einen längeren Urlaub vorbereitet hatte. Johanna und Sophie beschlossen kurzerhand uns einen Teil der Reise zu begleiten.

Gleich nach dem Zwischenseminar fuhren wir von Bukoba aus los nach Mwanza. Wir hätten lieber die Fähre genommen, die uns über Nacht quer über den Victoriasee gefahren hätte, aber sie war leider nicht in Betrieb. Also hieß es außen herum mit dem Bus.

Die Fahrt kam mir vor wie eine Ewigkeit. Wir konnten nicht nebeneinander sitzen, sondern wurden auf mehrere Reihen im Bus verteilt. Dass das noch einen Vorteil bringen würde, war uns zu dem Zeitpunkt noch nicht klar.

Nach etwa acht Stunden hielt der Bus an. Es war schon dunkel und wir waren alle erschöpft und wollten am liebsten sofort ins Bett fallen. Als ich aber meinen Nachbarn fragte ob wir schon in Mwanza seien, verneinte er. Trotzdem stiegen alle aus und wir trotteten einfach hinterher. Es stellte sich heraus, dass wir doch noch ein Stückchen mir der Fähre fahren mussten.

Auf der Fähre saßen wir draußen auf dem Deck. Es war noch nicht allzu kalt und der Himmel war frei von Wolken. Auf dem Schiff brannte nur wenig Licht und wir beobachteten die Sterne. Am liebsten wäre ich die ganze Nacht auf der Fähre geblieben doch nach zwanzig Minuten mussten wir wieder mit dem Bus weiter. Wir fuhren dann noch etwa eine Stunde bis wir endlich in Mwanza ankamen. Es war Nacht, die Straßen fast leer und wir kannten uns nicht aus. Als wir schon Angst bekamen, wir würden sicher kein Hostel für die Nacht finden, meldete sich Johannas Sitznachbar zu Wort. Er bat an, uns zu einem günstigen Hostel zu bringen, und obwohl wir ihn kaum kannten (Johanna nur von der Fahrt) blieb uns nichts anderes übrig als ihm zu vertrauen.

Wir fuhren mit dem Taxi. Ich sah aus dem Fenster und konnte nur staunen über die Größe dieser Stadt. Bukoba ist nichts im Vergleich zu dieser Großstadt. Riesige Gebäude erstreckten sich in den Himmel und waren selbst zu dieser Uhrzeit noch beleuchtet. Alle Straßen waren asphaltiert und mehrspurig.

Wir bogen in eine kleinere Seitenstraße ein und hielten tatsächlich vor einem kleinen Hostel namens 'Mango Lodge'. Der freundliche Sitznachbar stellte sicher, dass wir einen fairen Preis für die Zimmer zahlten, verabschiedete sich höflich und verschwand ohne irgendetwas für seine Hilfe zu verlangen.

Am nächsten Morgen brachen wir gleich nach dem Frühstück auf und liefen erst einmal etwas planlos die Straße runter. Johanna und Sophie wollten eine Sim-Karte kaufen um während ihrer Zeit in Tansania erreichbar zu sein. Wir gingen also in einen kleinen Laden und mussten eine halbe Ewigkeit warten bis die Karte gekauft und installiert war. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite gab es einen kleinen Markt, bzw. einige Leute hatten Obst und Gemüse auf Planen auf dem Boden ausgebreitet. Wir kauften zwei sündhaft teure, aber ebenso leckere Orangen und brachten die Zeit damit rum, sie zu schneiden, Stefans Finger gleich mit, diesen zu verarzten und die Orangenschlitze zu essen.

Wir liefen die Straße bis zum Ende, um an der Schnellstraße einen Bus zu nehmen, als Stefan bemerkte, dass er den Zimmerschlüssel vom Hostel immer noch mit sich herumträgt. Wir Mädchen legten also noch eine kleine Picknick-Pause im Schatten eines großen Baums ein und Stefan fuhr per Motorradtaxi zurück zum Hostel.

Kurze Zeit später saßen wir im Bus der uns in die Innenstadt bringen sollte. Als wir ausstiegen, waren wir umgeben von großen Häusern, gepflegten Rasenflächen und Leuten die versuchten uns Souvenirs zu verkaufen.

Wir verbrachten den Tag mit der Planung unserer Weiterreise. Jemand hatte uns gesagt, man könne von Bunda aus einen Bus durch die Serengeti nehmen, also besorgten wir und Dollars von der Bank, gingen noch aus Versehen schrecklich teuer Essen und stiegen nachmittags in dem Bus der uns nach Bunda bringen sollte.


Auf der Fahrt bestaunten wir die Landschaft, durch die wir fuhren. Mwanza ist umgeben von Hügeln aus denen riesige Felsen ragen. Darauf folgten ewig weite Flächen, auf denen große Kuhherden grasten. Die Landschaft änderte sich alle halbe Stunde und wir waren so gebannt, dass wir einfach vergaßen in Bunda auszusteigen, und daran vorbei fuhren. Als wir schon einige Stunden unterwegs waren, wunderten wir uns dann doch und Johanna warf ihr GPS auf dem Handy an um unseren Standort zu ermitteln. Es stellte sich heraus, dass wir bereits fast bis zur kenianischen Grenze gefahren waren. Wir wandten uns also an den Busfahrer und baten auch die Fahrkartenkontrolleurin um Hilfe, doch wurden ignoriert. Eine junge Frau die ein paar Reihen vor uns saß riet uns dann bei nächster Gelegenheit auszusteigen um einen Bus zurück zu nehmen.

Wir landeten in einem kleinen Ort dessen Namen wir nie erfuhren. Es wurde bereits Abend und es stellte sich bald heraus, dass niemand mehr mal so eben eine einstündige Fahrt zurücklegen wollte. Eine kleine Ewigkeit lang diskutierten wir mit einem Busfahrer, der meinte, wir müssten jeder ein Vermögen zahlen, damit er uns fahren könne. Es saßen noch etwa fünf weitere Passagiere im Bus, die sich aber weigerten zu zahlen. Das bedeutete also, dass wir entweder für alle bezahlen, oder der Bus nicht fährt. Jedes Mal wenn wir ausstiegen, um zu zeigen, dass wir so viel nicht zahlen würden, stiegen alle aus. Wenn wir einstiegen, stiegen alle ein, als wäre es selbstverständlich, dass wir die Fahrt für alle bezahlen. Es war lächerlich. Alles diskutieren nutze nichts und es wurde immer dunkler. Würde man sich nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich schwarz ärgern, wäre sicher nicht mehr von uns erwartet worden, dass wir so viel zahlen. Aus den vergangenen Monaten waren wir es zwar gewohnt, dass es Menschen gibt, die von uns „Mzungus“ (Weißen) erwarten, dass wir viel Geld haben und leicht zu veräppeln sind, aber so extrem hatte es noch keiner von uns erlebt.

Es endete jedenfalls tatsächlich damit, dass wir jeder 10 000 Tsh zahlten um nicht ganz zurück nach Bunda, sondern nach Musoma gebracht zu werden (Normalerweise kostet eine Fahrt von der Länge ca. 2000 Tsh pro Person). Immerhin war der Busfahrer so nett uns noch zu einem Hotel zu bringen, dass wir sonst sicher nicht gefunden hätten.

Wir hielten vor einem sehr schicken Hotel, das uns schon wieder eine Menge gekostet hätte, doch kurz vor dem allgemeinen Nervenzusammenbruch entdeckten wir ein kleines Haus auf der anderen Straßenseite mit der kaum leserlichen Aufschrift 'Guesthouse'.

Dort zahlten wir 5000 Tsh, also ca. 1€ pro Person für ein sehr einfaches Doppelzimmer. Das Hostel hatte eine Herren- und eine Damendusche und Toiletten und einen herrlichen Innenhof. Wir waren, abgesehen von einigen Kakerlaken, die einzigen Gäste und konnten uns so richtig ausbreiten.

Am nächsten Morgen beschlossen wir, noch eine weitere Nacht in Musoma zu verbringen, um den Stress der letzten Tage zu verdauen, Wäsche zu waschen und weil das Hostel so günstig und schön war. Nachdem wir im Innenhof ausgiebig gefrühstückt und unsere Wäsche gewaschen hatten machen wir uns auf um die Stadt zu erkunden. Musoma ist deutlich kleiner und ruhiger als Mwanza und liegt ebenfalls am Victoriasee. Es war ein schrecklich heißer Tag, also haben wir uns im Supermarkt erst mal ein Eis gekauft. Danach suchten wir lange Zeit nach der Bank um Geld abzuheben. Als das geschafft war kauften wir die Tickets für die nächste Busfahrt und schlenderten dann noch über den wunderschönen Markt. Er war überdacht und überall hingen geflochtene Körbe, Schalen und Taschen von der Decke. Alle Lebensmittel waren in ordentlichen Bergen angehäuft und die Leute kamen mir angenehm ruhig und gelassen vor. Wir setzen uns anschließend ans Ufer des Victoriasees in den Schatten und veranstalten ein kleines Picknick. Musoma war rückblickend wie ein Urlaub im Urlaub.

Am nächsten Morgen standen wir um halb fünf auf um rechtzeitig in den Bus zu kommen der uns nach Arusha bringen sollte. Natürlich fuhren wir mit einiger Verspätung los, konnten aber noch die Sonne über der wunderschönen Landschaft kurz vor der Serengeti aufgehen sehen. 

Wir waren die einzigen Weißen im Bus und als wir in durch die Serengeti und Ngorogoro fuhren merkten wir schnell, dass alle anderen Leute im Bus nicht das geringste Interesse an den wilden Tieren oder der atemberaubenden Landschaft hatten. Sie schlossen sogar teilweise die Vorhänge um in Ruhe schlafen zu können. Währenddessen hingen wir permanent am Fenster und versuchten Fotos von den Tieren zu schießen. Das war aber fast unmöglich, weil wir schließlich keine Safari (zu Deutsch übrigens einfach 'Reise') sondern einen öffentlichen Bus genommen hatten welcher mit mindestens 80 km/h durch die Nationalparks bretterte. Zum Gucken reichte es aber trotzdem. Wir haben jede Menge Antilopen, Gnus und andere Tiere mit Hörnern, einige Zebras, ein paar wenige Giraffen, einen Vogelstrauß, ein paar Nilpferde und Elefanten, einige Affen und Greifvögel und sogar ein paar Löwen auf einem Baum gesehen. Es war unheimlich aufregend und während der Fahrt blieb kaum Zeit zu verarbeiten was man gerade gesehen hatte. Ich war dauereuphorisch und hab wie ein kleines Kind jedes Mal vor Freude gequiekt wenn wir etwas zu sehen bekamen.

Im Bus saßen unter anderem auch ein paar Masai die im Ngorongoro-Nationalpark zu wohnen schienen. Jedenfalls sind sie irgendwo im Nirgendwo neben dem Ngorongoro-Krater ausgestiegen und der Bus fuhr weiter. Das fand ich sehr beeindruckend und ich habe mir vorgenommen mich mehr mit dem Leben der Masai zu befassen.

Über die vielen Touristen die wir bei unseren Zwischenstopps sahen, konnten wir nur lachen. Sie hatten wahrscheinlich hunderte von Euros ausgegeben und saßen da jetzt mit ihren Kaki-Hosen und 'Safari'-Hüten und Wanderschuhen an Holztischen und aßen aus riesigen Lunch-boxen. Es ist natürlich gemein sie dafür zu verurteilen, aber es war einfach zum kreischen. Wir waren sehr froh nicht dazu zu gehören und am Ende des Tages mehr als zufrieden mit unserer 'Low-Budget-Safari'. 

Als wir in Arusha ankamen dämmerte es bereits. Wir hatten uns an einer Schnellstraße auswerfen lassen und sollten hier auf Lindsey warten. Lindsey war eine entfernte bekannte von Johanna und Sophie und stammt ursprünglich aus den USA. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn schon seit einiger Zeit in Arusha und wir durften in ihrem Haus übernachten.

Jedenfalls mussten wir eine ganze Weile an dieser Straße warten und das war auch gar nicht so schlecht, denn wir hatten einen wunderbaren Blick auf den Mount Meru, über dem gerade ein Regenbogen schwebte. Schaute man zur anderen Seite sah man die Sonne untergehen. Es war wirklich wunderschön. Wir nutzen also die Wartezeit für ein ausgiebiges Fotoshooting, dann holte Lindsey uns ab.

Bei Lindsey zuhause stand das Essen bereits für uns auf dem Tisch und wir schlugen uns ordentlich die Mägen voll. Weil im Gästezimmer nicht genug Platz für alle vier war, und Sophie und Johanna ohnehin noch eine weitere Nacht in Arusha verbringen wollten, verzichteten sie die erste Nacht auf das Bett und zelteten im Garten. Stefan und Ich hatten also das Privileg wie auf einer Zuckerwattenwolke zu schlafen und waren am Nächsten Morgen wieder herrlich erholt. Lindseys Familie gönnt sich wirklich ein herrliches Leben, wie es in Tansania sonst keiner führt. In ihrem Haus fühlt man sich wieder wie in Europa: Himmelbett, warme Dusche, Cornflakes zum Frühstück...Das war der zweite Urlaub im Urlaub.

Morgens nahm Lindsey uns auf dem Weg zur Arbeit mit und setzte uns am 'Cultural Heritage' Museum ab, das sie uns am Vorabend empfohlen hatte. Dort war der Eintritt frei und wir hatten sowieso nur die Weiterreise nach Moshi für den Tag geplant, also hatten wir am Vormittag Zeit. Wir waren fast die einzigen Besucher und ließen uns ordentlich Zeit. Das Museum bestand aus drei oder vier Stockwerken, die man Kreiswerts über Schrägen hoch lief, und sollte von außen aussehen wie eine Trommel. Allein das war schon recht eindrucksvoll. Zu sehen gab es alles von traditionellen afrikanischen Stauen, über Portraits und naturalistischen Tierzeichnungen bis hin zu abstrakten Aquarellgemälden. Da alles zum Verkauf stand, durften keine Fotos gemacht werden, aber die schönsten Werke habe ich im Kopf behalten.

Nachdem wir alles gesehen hatten, schlenderten wir noch durch die vielen Touri- und Museumsshops. Es war fast wie ein richtiges Einkaufszentrum voller 'traditionell-afrikanischer' Dinge.

Später nahmen wir einen Bus ins Zentrum von Arusha um uns dort ein wenig umzusehen. Es wimmelte nur so von Touristen und man konnte kaum einen Schritt gehen ohne von Souvenirverkäufern oder Tourguides angesprochen zu werden. Es war dadurch ein sehr stressiger Spaziergang und wir waren froh als wir einen kleines Eiscafé fanden in dem wir ganz allein sitzen konnten. Der kleine, freundliche Italiener, dem der Laden gehörte, verkaufte jedem eine Kugel Eis und wir unterhielten uns nett.

Danach stiegen Stefan und Ich in den Bus nach Moshi, Johanna und Sophie blieben in Arusha.

Auf dem Weg stellte sich heraus, dass sich unsere Übernachtugsmöglichkeit gar nicht in Moshi, sondern in Mwanga befand. Wir stiegen also in Moshi aus, nur um gleich in den nächsten Bus nach Mwanga zu steigen. Unterwegs konnten wir nur einen kurzen Blick auf den Kilimandscharo erhaschen, also blieb nur zu hoffen, dass man ihn auch noch von Mwanga aus sehen konnte.

Wir übernachteten bei Tyler, den ich an Weihnachten in Karagwe kennengelernt hatte. Er wohnt in einer kleinen Wohnung zusammen mit seinen Mitbewohnern Theo und Lars. Mit denen quatschten wir bis spät in die Nacht und durften es uns dann auf Isomatten im Wohnzimmer bequem machen.

Am nächsten Morgen war das erste Ziel, den Kilimandscharo zu sehen. Tyler hatte gemeint man könne ihn manchmal vom Sportplatz aus sehen, also gingen wir dort hin und stiegen bis ganz oben auf die Tribüne, aber vom Kilimandscharo war nichts zu sehen. Wenn es nach mir gegangen wäre, wären wir einfach weiter gefahren und hätten auf den Kili verzichtet, aber Stefan war das ganze so wichtig, dass ich einwilligte noch einmal nach Moshi zurück zu fahren. Und das sollte sich später als die beste Entscheidung herausstellen.

Zurück in Moshi dackelten wir erst mal etwas planlos in der Gegend herum. Im Touri-Führer stand nichts von irgendeinem Aussichtspunkt oder ähnlichem also mussten wir selbst suchen. Unterwegs kauften wir uns zwei geschnittene Mangos und kamen als erstes an einem Park vorbei. Es sah aus als müsste man Eintritt zahlen, aber weil niemand im Kassenhäuschen saß, schlichen wir uns einfach daran vorbei in den Park. Noch nie zuvor hatte ich in Tansania überhaupt irgendeinen Park gesehen. Mir schien es immer so, als sei ein Spaziergang, ein Picknick oder jede andere Art von 'geplanter Entspannung' für die Tansanier reine Zeitverschwendung, doch da muss ich mich getäuscht haben. Es waren zwar nicht viele Leute dort, aber es war ja auch Mitten in der Woche.

Der Park war wunderschön mit Blumen und Hecken bepflanzt. Wir gingen an mehreren Essständen vorbei vor denen Tische aufgestellt waren und saßen kurz darauf auf einer Bank neben einem Springbrunnen und aßen Mangos. Gleich hinter uns lag ein kleiner Spielplatz und gleich nachdem wir die Mangos verdrückt hatten gingen wir eine Runde spielen. Es hab Schaukeln, eine Rutsche, eine Wippe und ein Drehding. Nachdem alles einmal getestet und als gut empfunden war konnte es weiter gehen. Wir hatten immer noch nicht so richtig eine Ahnung von wo aus man den Berg am besten sehen könnte und verließen erst mal den Park. Dann sahen wir zwei Hochhäuser.

Moshi ist zwar auch eine ziemlich große Stadt, trotzdem sind die Häuser selten mehr als dreistöckig. Die zwei Häuser die wir jetzt sahen hatten neun Stockwerke und ragten weit über alle anderen hinaus. Von weitem ließ sich nicht erahnen was für Häuser das waren, also gingen wir näher ran. Wir tigerten erst mal um die Gebäude herum und beobachteten die Sachlage. Das erste Haus war ein Bankgebäude und wir hätten ganz gewiss nicht hochfahren dürfen, außerdem hätte das zweite Haus sowieso die Sicht verdeckt. Beim zweiten Haus war es schwer zu sagen was es sein sollte. Erst bei ganz genauem Hingucken erkannte ich ein paar Kleiderständer und einige Waschmaschinen im untersten Fenster. Vielleicht eine Art Einkaufszentrum, dachten wir. Da könnte man bestimmt hochfahren, aber es sah noch sehr unfertig aus und der Eingang wurde von bewaffneten Männern in Tarnkleidung bewacht. Wir wollten schon wieder aufbrechen, als mich plötzlich er Ehrgeiz packte. Wir konnten doch nicht einfach wieder verschwinden, wo wir doch extra zurückgefahren waren. Wir mussten es zumindest mal versuchen.

Wir setzen also unseren professionellsten Gesichtsausdruck auf und marschierten zielstrebig über das Gelände und auf den Eingang zu. Bei den Wachen blieben wir kurz stehen und grüßten höflich auf Suaheli. Weil sie nichts taten als höflich zurück zu grüßen, gingen wir wie selbstverständlich weiter in das Gebäude. Wir sahen uns kurz um und entdeckten sofort ca. fünf weitere Tarnfarbenleute mit Gewehren. Ansonsten war das Erdgeschoss komplett leer, bis auf die paar Kleiderständer und Waschmaschinen die man auch von außen schon gesehen hatte. Die Rolltreppe war lahm gelegt. Wir hielten auf den Aufzug zu, welcher Gott sei Dank nicht lahm gelegt war. Wir drückten den obersten Knopf und der Aufzug raste nach oben.

Dann standen wir in der neunten Etage des Gebäudes, und es war noch verlassener als das Erdgeschoss. Wir waren die einzigen Menschen und auch sonst war absolut nichts in den Räumen. Nachdem wir alle Räume einmal besichtigt und festgestellt hatten, das die Fenster nie in die richtige Richtung hinaus gingen, verließ mich schon wieder fast der Mut.

Stefan bemerkte als erster die Treppe, die wir total ignoriert hatten. Wir stiegen hinauf und sie endete an einer Tür die aus den Angeln gehoben war und auf dem Boden lag. Wir gingen durch den leeren Ramen und ich fühlte mich wie im Film. In meiner Erinnerung läuft alles in Zeitlupe mit 'Alice im Wunderland'-ähnlicher Musik und dramatischen Kameraeinstellungen. Wir standen auf dem Dach des Hauses, der Kilimandscharo direkt vor uns. Er erstreckte sich in perfekter Symmetrie über den Horizont und war so groß, dass es doch wirkte als wäre er ganz nah. Das er fast gänzlich von Wolken verhangen war, war in dem Moment egal. Wir waren sprachlos. Ich lief sofort bis ganz vorn an die Kante, nahm mir nicht mal die Zeit mein Gepäck abzulegen. Ich wusste nicht ob ich vor Euphorie lachen oder weinen sollte und entschied mich letzten Endes für wildes Herumspringen, zückte meine zwei imaginären Revolver und schoss tanzend die Luft. Wir rannten mehrmals übers ganze Dach, versuchten noch höher zu klettern. Vom Lachen tat mir bald das Gesicht weh. Wir streckten die Arme aus und mit dem Wind fühlte es sich an wie fliegen. Dann legten wir uns auf den Boden, und so hätte es immer bleiben können.

Auf der Fahrt nach Same sahen wir den Berg dann doch noch mal fast ohne Wolken.

Nach Same fuhren wir nur um einen weiteren Freund zu besuchen, den ich von Weihnachten kannte.

Arne wohnt in einem kleinen, dreckigen und weitgehend kaputten kleinen Haus und scheint der zufriedenste Mensch auf Erden zu sein. Obwohl sein Lebensstil einen gewissen Charme hat, entschlossen Stefan und ich uns in einem Hostel zu übernachten (es war auch wirklich kaum Platz in Arnes Haus). Arne erzählte aus seinem aufregenden Leben und führte uns ein bisschen durch das schöne Same. Same ist deutlich kleiner als die letzten Städte die wir besucht hatten, und das war wirklich entspannend. Von der Größe her, ist es vielleicht vergleichbar mit Karagwe, aber irgendwie war es doch ganz anders. Die Straßen, die nicht asphaltiert sind, waren aus Sand, in Karagwe ist es rote Erde. Am Straßenrand stehen manchmal richtig hohe Palmen, in Karagwe sind das Palmen-ähnlichste die Bananenbäume. Hier merkte ich zum ersten Mal wirklich, wie weit wir es schon geschafft hatten. In den Großstädten war natürlich alles anders, aber hier war es irgendwie ähnlich wie zuhause, aber das ganze Klima und die Landschaft hatte sich geändert.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter in Richtung Usambara-Berge um andere VEM-Freiwillige in Lushoto zu besuchen und Johanna und Sophie wieder zu treffen. Wir waren bereits auf dem Weg die Serpentinen hoch beeindruckt von der unglaublich schönen Aussicht.


Wir verbrachten zwei Nächte im Haus einer weiteren Freiwilligen die wir dort kennenlernten. Wir nutzen die Zeit hauptsächlich um uns mal wieder zu erholen von dem vielen Herumgefahre und um Wäsche zu waschen. Wir lernten aber auch die tansanischen Freunde der anderen Freiwilligen kennen und konnten ihre Einsatzstellen besichtigen und natürlich die wunderbaren Berge bewundern. Es war wirklich schön unsere Freunde, so kurz nach dem Zwischenseminar bereits wieder zu sehen, wenn auch nur für zwei Tage.

Um nach Pangani zu kommen, mussten wir in Tanga umsteigen. Wir waren schrecklich hungrig und wollten in Tanga eigentlich eine kleine Pause zum Mittagessen einlegen, aber als wir dort ankamen wurde uns gesagt, der Bus nach Pangani führe jetzt sofort und auf der Stelle. Wir haben uns also zum nächsten Bus hetzen lassen und sollten noch vor dem Einsteigen 5000 Tsh für die Fahrt bezahlen. Dabei haben wir uns erst mal nichts gedacht, und der Preis kam uns fair vor, aber als wir fuhren merkten wir, dass alle anderen Fahrgäste erst jetzt zahlten, und außerdem 2000 Tsh weniger als wir. Als wir den Fahrkartenverkäufer darauf ansprachen meinte er nur so etwas wie 'Selbst schuld, wenn ihr mir vertraut'. Dieser Kommentar brachte uns mal wieder halb auf die Palme, aber alles diskutieren schien mal wie immer nichts zu nützen. Ich bat meinen Sitznachbarn um Hilfe, doch auch er konnte den Betrüger nicht überzeugen.

Eine ganze Weile lang schwiegen wir, doch Stefan konnte sich mit diesem Schicksal nicht zufrieden geben und fuhr den Jungen mit den wenigen Worten an die ich ihm auf Suaheli (damals für einen Restaurantbesuch) beigebracht hatte an: „Rafiki! Naomba chenji“ (Freund, ich erbitte das Wechselgeld). Der drohende Tonfall in Kombination mit der über-höflichen Ausdrucksweise sorgte erst mal für Gelächter, doch als Stefan sichtlich am Ende seiner Nerven war und ich dachte er würde dem Jungen jeden Moment an die Gurgel gehen, rückte dieser das Geld dann doch raus.

Weil wir unterwegs noch eine Reifenpanne beheben mussten war es bereits Abend, als wir in Pangani ankamen. Weil es aber noch nicht dunkel war blieben wir erst mal gelassen und machten uns auf die Suche nach dem Meer um ein Hostel in Strandnähe zu bekommen. Unterwegs wurden wir von einem Mann angesprochen der sich als 'Hot-Hot' vorstellte. Er war Touristenführer und bot uns seine Hilfe bei der Suche nach einem Hostel an. Das konnten wir unmöglich abschlagen und trotteten ihm hinterher. Es war noch fürchterlich heiß und ich war nach wenigen Minuten durchgeschwitzt. Hot-Hot war die Hitze offensichtlich gewohnt und lief munter quatschend voraus. Nach kurzer Zeit war ich von seiner guten Laune genervt und als er darauf bestand, dass wir uns doch noch das teure Hotel anschauen, obwohl wir es uns nicht leisten konnten/wollten, wäre diesmal fast ich diejenige gewesen die jemandem an die Gurgel geht. Als wir aber über das Gelände des Hotels liefen und am Strand ankamen, war aller Ärger wie weg geblasen. Wir hatten es tatsächlich bis an den Indischen Ozean geschafft! 'Challenge Completed'.

Wir übernachteten in einem Guesthouse namens 'Stop-Over', kaum eine Minute vom Strand entfernt. Wir verbrachten eine Woche in Pangani und waren täglich am Strand. Etwas anderes konnte man auch nicht tun, denn es war jeden Tag von morgens bis abends unerträglich heiß. Im Zimmer konnte man sich nur aufhalten wenn man leicht bekleidet unterm Deckenventilator lag und sich nicht bewegte, und selbst dann schwitze man noch. Ich werde nie vergessen wie in einer Nacht der Ventilator ausfiel und wir innerhalb von Sekunden von der Hitze geweckt wurden und uns nichts anderes übrig blieb als um vier Uhr nachts das Haus verlassen und am Strand weiter zu schlafen, weil wir sonst ganz gewiss eingegangen wären wie getrocknete Zwetschgen.

Der Strand war herrlich groß und meistens sehr leer. Morgens war das Wasser noch weit weg und man musste ewig durch die pralle Sonne laufen und selbst wenn man den Weg dorthin überlebte, war das Wasser nicht gerade eine Abkühlung. Erst nachmittags, wenn die Flut mit hohen Wellen kam, war das Wasser kühler als die Luft und wir plantschten wie kleine Kinder bis es Abend wurde.

Wir ernährten uns die ganze Woche lang von Wassermelonen, Kokosnüssen und abends von Chips-Mayai (Pommesomelette).

An einem Tag ging Stefan joggen. Weil ich nicht so lebensmüde bin blieb ich also allein am Strand. An dem Tag war der Strand nicht so leer wie sonst, weil eine Schulklasse anscheinend einen Strandausflug machte. Die Kinder setzen sich um mich herum in den Schatten und trauten sich irgendwann mich anzusprechen. Als wir eine Weile geplaudert hatten wurden sie vom Lehrer gerufen und fingen kurz darauf an ein Stück weiter weg im Wasser zu plantschen. Nur drei Mädchen blieben bei mir sitzen und erklärten, dass sie keine Schwimmsachen dabei hatten. Ich konnte sie trotzdem überreden mit mir bis zu den Knien ins Wasser zu gehen, und das machte ihnen dann auch Spaß. Danach wollte ich eine Sandburg bauen und die Mädchen halfen mir. Als wir die Burg als groß genug empfanden, fingen wir an nach Muscheln zu suchen um sie zu schmücken. Danach kamen noch Blumen, Blätter und eine halbe Kokosnussschale dazu, dann kam Stefan zurück und bald darauf verabschiedeten sich die Mädchen.

Die Burg blieb noch die ganze Woche lang stehen.

Und das war's. Dann war der Urlaub zu Ende, wir fuhren nach Dar es Salaam und von dort ging es auf direktem Weg wieder nach Hause.

Wir hatten in diesen drei Wochen unheimlich viel Spaß. Und das ist, wie ich finde, das allerwichtigste im Leben. 

 

Bilder von der Reise findet ihr im Fotoalbum

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Kommentare

  1. 1. Peter  |  28 Mai 2016, 22:01

    Liebe Marie,
    was für ein toller Bericht! Was für eine tolle Reise! Hab weiter viel Spaß,
    herzliche Grüße
    Peter

  2. 2. Mr. Stefano  |  31 Oktober 2016, 09:51

    Liebe Mrs. Lotho,

    jetzt hab ichs endlich mal hinbekommen, deinen wundervollen Bericht über unseren Urlaub zu lesen.
    Ich bin wehmütig, aber gleichzeitig unendlich dankbar, dass wir diese Reise zusammen machen konnten!

    Toller Bericht

  3. 3. Laura  |  22 Juni 2017, 08:26

    Ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man auch mit weniger Geld einen tollen Urlaub bzw. Aufenthalt erleben kann.

 

 

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