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Anatomie - Part 2

Autor: MarielotteDuffe | Datum: 15 März 2016, 16:04 | 1 Kommentare

Wie versprochen kommt hier der zweite Teil zur Anatomie. Die Idee ist wie schon erwähnt von Stefan, der seinen zweiten Teil schon im Januar gepostet hat. Extrem lesenwert!!! 

Die Haare: Die meisten von euch kennen mich nur mit höchstens Kinnlangem Haar. Inzwischen hängen mir die Haare auf den Schultern und lassen sich ganz ohne Spangen zusammenbinden. Seit ich hier bin habe ich meine Haare nicht einmal schneiden lassen. Ich will zwar auch, dass sie lang werden, aber selbst wenn ich sie gerne wieder kurz hätte, wüsste ich nicht, wo ich sie schneiden lassen könnte. Die Tansanierinnen haben nämlich entweder ganz kurz geschorenes Haar, Perücken oder wahnsinnig kunstvolle geflochtene oder gedrehte, manchmal turmartige Frisuren auf dem Kopf. Diese Erfahrung konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und habe mir Bergeweise Kunsthaarzöpfe flechten lassen. Die Frisörin, Queen Doreen, hat mir innerhalb von fünf Stunden stolze 162 Zöpfe verpasst, die gefühlte 1000 Tonnen gewogen haben und mir bis unter die Brust hingen. Der Vorteil dieser Frisur war, dass ich sie in dem ganzen Monat die ich damit herumgelaufen bin nur drei oder viermal waschen musste und den gleichen Dutt mehrere Tage lang tragen konnte. Und es sah natürlich spitze aus. Der Nachteil war, dass die Haare viel gejuckt und genervt haben, andauernd im Weg waren und als ich sie wieder herausgemacht habe, ein großer Teil meiner echten Haare mit raus gegangen sind.

Inzwischen habe ich aber schon wieder volles Haar und bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben.


Die Augen: Die Augen sind zum sehen da. In den vergangenen sechs Monaten gab es für mich viel zu sehen. Darunter viel schönes aber auch viele Dinge die mich traurig oder zumindest nachdenklich machen.

Sehr gerne schaue ich mir die vielen wunderschönen Dinge auf den Märkten an. Dort gibt es nicht nur schöne Früchte, sondern auch bunte Stoffe und Kleider an denen ich mich nie satt sehen werde. Auch die vielen Handgefertigten Schnitzereien und Bilder bewundere ich jedes mal aufs neue.

Zu den schönen Dingen gehört auch die herrliche Landschaft die mich immer wieder ins Staunen versetzt. Karagwe bietet, selbst auf meinen Alltäglichen wegen zum Einkaufen oder zu Freunden, Ausblicke für die man in Deutschland Geld verlangen könnte. Auf meinen Reisen in weiter entfernte Städte stelle ich jedes mal fest, dass es unmöglich ist, von 'DER Tansanischen Landschaft' zu spreche, weil sich innerhalb einer halbstündigen Fahrt alles ändern kann. Es gibt Berge und kurz darauf unendlich lange Flächen, Riesige wiesen mit grün blühenden Bäumen und danach beinahe wüstenähnliche Vulkansteinlandschaft. Es gibt Sumpflandschaften die von Gegenden voller Felsen und ausgetrockneter oder von Buschfeuer verbrannten Bäumen. Immer wenn man meint, man hätte jede erdenkliche Art von Natur gesehen, überrascht Tansania mit neuen Landschaften.

Was irgendwie auch zur Landschaft gehört sind die atemberaubenden Sternenhimmel. Ich dachte, dass man nirgends auf der Welt noch mehr Sterne sehen könnte als hier in Karagwe, bis ich Lushoto in den Usambarabergen besuchte. Die Milchstraße ist dort deutlich zu erkennen und man sieht beinahe mehr Sterne als Himmel. Solche Momente lassen mein Herz höher schlagen und ich würde meine Augen am liebsten nie abwenden.

Dann gibt es aber noch die Dinge, von denen ich die Augen lieber abwenden würde, aber es nicht kann. Oft muss ich (vor allem in der Schule) ansehen wie Kinder - oft ohne wirklichen Grund - geschlagen werden und sich vor Schmerzen krümmen, schreien und weinen. Ich sehe obdachlose Menschen, Menschen ohne Kleidung und Kinder deren Bauch vor Hunger aufgebläht ist. Ich sehe Müll, der überall in der Landschaft verteilt herumliegt.

Viele werden jetzt denken 'Ja, so stellt man sich Afrika vor'. Und so wird es schließlich auch oft präsentiert. Es ist wahr, das diese Dinge einen Teil - zumindest von Tansania - ausmachen, aber wenn man mal ein bisschen darüber nachdenkt, findet man all diese Probleme auch in Deutschland. Auch dort gibt es Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Misshandlung. Und die Umwelt richten wir Deutschen – so denke ich - deutlich schlimmer zu.

Tatsächlich gibt es auch reiche Tansanier, es gibt Schulen an denen das Schlagen der Kinder verboten ist und es gibt Naturschützer.

 

Die Füße: Meine Füße haben sich in den letzten sechs Monaten tatsächlich auch etwas verändert. Da ich fast immer meine Birkenstocks trage, habe ich von der Sonne lustige Bräunungsstreifen bekommen.

Außerdem würde sich mein Orthopäde – wenn er denn tot wäre – im Grab umdrehen wenn er mich hier so ohne festes Schuhwerk herumrennen sähe. Gott sei dank ist mein Orthopäde aber noch nicht tot, sodass ich nach dem Jahr noch auf seine Hilfe beim gerade biegen meiner Füße hoffen kann.

Von dem Weg durchs hohe Gras vor meinem Haus habe ich immer einige Ameisenbisse auf den Füßen.

Aber welche Strecken legen meine Füße eigentlich so zurück?

Mein Weg zur Arbeit dauert keine zwei Minuten. Dafür ist der Weg ins nächste Dorf umso länger: Bei gutem Wetter laufe ich ca. eine Stunde. Bei schlechtem Wetter bleibe ich zuhause und bei zu gutem Wetter nehme ich ein Motorradtaxi um keinen Sonnenbrand/-stich zu bekommen, es gibt auf dem Weg nämlich kein bisschen Schatten.

Der Untergrund auf dem meine Füße sich bewegen besteht meistens aus wunderschön roter Erde, aber inzwischen auch sehr oft aus Asphalt, da die große Straße zwischen den Dörfern gerade fertig geworden ist und benutzt werden darf.  


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Kommentare

  1. 1. Mr. Stefano  |  14 April 2016, 16:14

    Haha, liebe Lotte

    wie schön du wieder geschrieben hast :-)

    Sau gut, dass ich mir jetzt nach meinem Besuch bei dir viele Sachen, von denen du schreibst, viel besser vorstellen kann.

    Liebe Grüße aus Kigali,
    hab weiter ein tolles Freiwilligenjahr!

    Dein Mr. Stefano

 

 

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